Guter Content setzt sich immer durch – nicht nur beim Medienforum Mittweida

Anfang der Woche fand es wieder statt – das Medienforum Mittweida (MF), der größte ausschließlich von Studenten organisierte Medienkongress. Vor gut einem Jahr, zum MF 2012, war ich selbst Teil des Teams und hatte ordentlich zu tun. Gemeinsam mit meinem Marketing-Team war ich u.a. für Social Media, Print-Werbung und den Ticket-Verkauf verantwortlich. Damals: Mein Handy war MF, meine Mails waren MF, meine Gedanken waren MF. Jetzt: Gut ein Jahr später konnte ich das Medienforum aus einer anderen Perspektive erleben. Ich war einfach nur zu Gast und konnte mich ganz auf die Medienthemen der Vorträge und Diskussionen einlassen. Und es hat sich gelohnt, am 11. und 12. November beim MF dabei zu sein. So viele Sätze, die während der einzelnen Panels Münder und Lautsprecher verließen, hallen immer noch in meinem Kopf nach. Was u.a. bei mir hängengeblieben ist, schreibe ich jetzt auf und kommentiere es hier und da.

Panel „Mangelware Qualitätsfernsehen“

„Qualität ist, wenn man den Zuschauer abholt, ihn bewegt und fasziniert.“ Das sagt Sebastian Kocks von RTL. Für Gregor Wichert vom ZDF ist Qualität, „wenn Bürger eine gemeinsame Vorstellung von Werten bekommen.“ Er redet von einer Wertegemeinschaft und dem informierten Bürger. Noch ein Satz von Herrn Kocks, der mir in Erinnerung geblieben ist: „Man muss den Zuschauer ernst nehmen.“ Ich möchte da was ergänzen: Man muss auch die Menschen vor der Kamera ernst nehmen.

Nach dem Panel habe ich noch viel über Qualitätsfernsehen nachgedacht. Für mich ist einmal mehr Qualität, wenn bewegte Bilder die Menschenwürde nicht antasten, wenn sie Werte vermitteln, wenn Film und Fernsehen dazu beitragen, ein „guter Mensch“ zu sein. Bewegtbildproduktionen sollen nicht wie Tranquilizer wirken. Sie sollen Wissenstransfer und Meinungsbildung fördern. Sie sollen generations- und zielgruppenübergreifende Gespräche beginnen. Sie sollen für eine „Campfire-Stimmung“ vor dem Bildschirm oder der Leinwand sorgen – diese Momente, wenn Menschen mit Menschen Zeit verbringen und miteinander reden. Produzenten sollten den Mut haben, Filme und Fernsehformate für eine breite Zielgruppe herzustellen, damit der generationsübergreifende Dialog überhaupt entstehen kann. Davon bin ich auch überzeugt: Der Mensch gewöhnt sich an Vieles – auch an Qualitätsfernsehen.

Panel „Bilder im Kopf“

Wenn die Filmmusikkomponisten Philipp Edward Kümpel und Andreas Moisa über deren Berufung sprechen, fällt der Satz „Filmmusik ist die Ebene des Ungesagten“. Seit dem Impulsreferat von Philipp Fabian Kölmel, auch Filmmusikkomponist, weiß ich u.a., was „Mickey Mousing“ ist. Mit dem Good-Cheap-Fast-Triangle hat er uns Zuhörer ebenfalls vertraut gemacht. Das ist der Begleitsatz dazu: „I can always offer you two corners, but never all three.” Das Spannungsfeld zwischen guter, billiger und schneller Arbeit kann man nicht besser darstellen.

Nach den Vorträgen wird diskutiert und moderiert von Madita van Hülsen. Jetzt ist die „Leere-Blatt-Depression“ ein Themenschwerpunkt. Das ist die Situation, wenn Notenzeilen oder Drehbuchseiten noch leer sind, wenn die zündende Idee bislang fehlt. Das Podium schließt diesbezüglich mit einer tollen Weisheit: Man solle diese Depression als Schwangerschaft verstehen, die notwendig ist, um Kreatives zum Leben zu erwecken. Man solle sich bewusst machen, dass dieser Zustand auch immer wieder vorbeigeht und dass man danach immer einen kreativen Schritt weiter ist.

Panel „Transmedia Storytelling“

Transmedia scheint die Medienwelt etwas auf den Kopf zu stellen. Es wird viel transmedial experimentiert. Es geht nicht mehr nur ums Filmemachen oder ausschließlich um mobile Medien. Der Mix macht’s. Pakete, die nun geschnürt werden, sind größer und stehen für neue Herausforderungen an Unternehmen und die einzelnen Mitarbeiter. Erstaunlich finde ich, wie schnell sich dadurch ein Firmenprofil wandelt. Filmproduktionsfirmen betreten auf einmal den App-Markt oder haben mit E-Books zu tun. Dabei kooperieren sie mit Verlagen oder Unternehmen interaktiver Medien.

Prof. Christof Amrhein von der Hochschule Mittweida, Moderator des Panels, fragt Katharina Rietz von der BASTEI MEDIA GmbH nach zeitgemäßen Transmedia-Schlüsselqualifikationen für Film- und Fernsehschaffende. Dazu zähle Experimentierfreude, die man für die Entwicklung transmedialer Stoffe brauche. Man solle neugierig sein und immer wieder offen für Input – schließlich könne man alles lernen. Bei all dem Hype um neue Erzählweisen wurde DIE Essenz von Medieninhalten immer wieder deutlich: Das A und O sei eine gute Geschichte und gute Figuren.

Panel „YouTube Millionaire“

Auch hier standen gute Inhalte hoch im Kurs. Lukas Klumpe: „Guter Content setzt sich immer durch. Man sollte nicht in erster Linie auf Tausende Klicks Wert legen.“ Christoph Krachten sieht in YouTube eine starke Konkurrenz zu TV-Sendern, da auf YouTube jeder zum Produzent werden könne. Und TV-Sender hätten keinen blassen Schimmer von den Wünschen des Zuschauers. Auf YouTube dagegen, bekomme man sofort Feedback durch User-Kommentare und könne sich dadurch schnell entwickeln und verbessern. Christoph Krachten außerdem: „Nur wenig TV-Produzenten haben auf YouTube Erfolg.“ Sie richteten sich zu sehr nach Fernseh-Normen, verfolgten deshalb zum Beispiel falsche dramaturgische Ansätze.

Gut, dass Christoph Krachten und Lukas Klumpe weitere Tipps zum Produzieren von YouTube-Videos geben. Eine Herausforderung sei, dass viele Menschen nur die Anfänge von YouTube-Videos schauen. Man müsse daher eine höhere Schnittfrequenz wählen, damit nicht Werbebanner oder weitere Video-Vorschläge die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich ziehen. Man solle für die Videoproduktion das Beste herausholen – vor allem der Ton muss von perfekter Qualität sein. Auch über die Lichtgestaltung solle man sich Gedanken machen. Immerhin würde der Zuschauer das alles – wenn auch „nur“ unbewusst – mitbekommen.

Hannes Jakobsen, auch auf dem Podium, sieht großes Karriere-Potential in YouTube: „Hier sind es nicht die TV-Redakteure, die über die eigene Karriere bestimmen. Hier hat man seine Karriere selbst in der Hand.“ Christoph Krachten spricht ebenfalls vielfach von Chancen. Auf YouTube gebe es keinen Misserfolg: „Werden die Videos von 100 Leuten gesehen, dann stört es keinen. Wenn es 10.000 Leute sehen, ist es ein Erfolg.“ Zudem sei die Entwicklung von YouTube erst am Anfang. In Zukunft wird es noch mehr User geben – und noch mehr Werbekunden, die auf YouTube setzen werden.

Das ist eine Auswahl an Themen des diesjährigen Medienforums, die mich immer noch beschäftigen. Guter Content setzt sich eben durch und bleibt in Erinnerung. An dieser Stelle möchte ich auch alle Mittweidaer Studis loben, die das MF gestemmt haben. Ihr habt wieder einen professionellen Eindruck hinterlassen. Ich freue mich aufs nächste Medienforum Mittweida.

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Philipp Rappsilber | 17. November 2013

Kategorien: persönlich

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