Von Langstreckenläufen, LOVE STEAKS, Trüffelhunden und anderen Ego-Tieren

Ein Beruf, der nur aus Konflikten besteht, bei dem nicht wirklich Routine einkehrt, der von Projekt zu Projekt kaum abwechslungsreicher sein kann. Wer solch einen sucht, wird in der Film- und Fernsehbranche garantiert fündig. Das und Vieles mehr wurde gestern beim Tag der offenen Tür an der HFF „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg von Hochschul-Mitarbeitern immer wieder betont.

„Filmmaking is war“ – ok, ganz so schlimm sei es auch nicht. Das Berufsleben in der Bewegtbildbranche sei allerdings ein Langstreckenlauf. Es bestehe nur aus Konflikten. Man müsse ein Trüffelhund sein, in einem Dschungel voller Ego-Tieren. So viele „Schattenseiten“? Umso mehr fallen die Lichtseiten auf. Und keine Sorge, wenn es lange dauert, bis man sein persönliches, berufliches Profil im Film- und Fernsehbereich gefunden hat. Das sei normal.

Interessant wurde es außerdem, als Studenten der HFF zu Wort kamen. Die jungen Kreativen stellten nicht nur ihren besonderen Film „LOVE STEAKS“ vor, sondern auch ihre besondere Philosophie des Filmemachens. Sie wollen sich von Zwängen und dem Druck von Filmproduktionen befreien. Sie möchten die schönen Seiten am Filmemachen mehr genießen können. Sie schaffen das mit ihrer Philosophie „FOGMA“. Dabei verzichten die Studenten auf Lehrbuch-Dogmen. Ganz ohne Regeln gehe es aber auch nicht. Unter der Überschrift „Regeln sind Freiheit“ stellten sie Prämissen für deren filmisches Schaffen zusammen. Alles, was während einer Produktion nervt: Über Bord werfen. So zum Beispiel Umzüge von Location zu Location. Auch an einem einzigen Drehort könne man Geschichten erzählen. Beim Dreh sorgt nicht ein Drehbuch für Struktur, vielmehr ein „dramaturgisches Skelett“. Die HFFler stehen auch beispielsweise für „Sportpflicht am Set“ ein. In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist.

Kein Wunder, dass „FOGMA“ auf den einen oder anderen HFF-Professor zunächst eine befremdliche Wirkung hatte. Die Lehrenden waren sich nicht mehr sicher, ob ihre Studenten völlig durchgeknallt oder einfach genial wären. Letzteres ist der Fall, wie sich zeigte. Mit ihrem Film „LOVE STEAKS“, produziert mit ganz viel „FOGMA“, überzeugten sie auf Filmfestivals und räumten Preise ab. Das finde ich beachtlich und nachahmenswert. Ein Blick auf www.lovesteaks.de lohnt sich.

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Philipp Rappsilber | 10. November 2013

Kategorien: Fernsehen, Film, persönlich

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